Handaufzucht

 

NEIN DANKE!

 

Das NEIN DANKE möchte ich aber so nicht stehen lassen. Denn es sollte zwischen 2 Arten von Handaufzuchten unterschieden werden:
Zum einen gibt es die Handaufzucht, um Küken, die von ihren Eltern verstoßen worden sind, das Leben zu retten. Es hat auch seine
Nachteile, aber hier steht das Leben des Kleinen im Vordergrund. Weiterhin gibt es noch die Art Handaufzucht um eine Art zu
erhalten. Z. B. im Loro Parque auf Teneriffa, werden die Spix-Ara-Nachzuchten mit der Hand hochgezogen, da diese Tiere in
freier Wildbahn bis auf wenige Exemplare gänzlich ausgestorben sind. Hier zieht man die Jungen hoch, um dem Risiko aus dem Weg
zu gehen, dass sie evtl. von den Eltern nicht versorgt werden und ein Spix-Ara-Nachkomme weniger auf der Welt ist. Dies dient
der Arterhaltung.

ABER:
Es gibt auch eine ganz grausame Kehrseite und diese heißt: KOMMERZIELLE HANDAUFZUCHT!
Und hierzu sage ich schlichtweg: NEIN DANKE!!!
Diese Art der Handaufzucht dient lediglich zur Geldmacherei. Die Jungen werden den Eltern gewollt weggenommen und mit der
Spritze gefüttert. Dieses dient lediglich dem menschlichen Egoismus, da so die Tiere von Anfang an an die Hand gewöhnt werden
und somit von vornherein zahm sind. In den meisten Fällen werden die Jungen noch nicht einmal wenigstens gemeinsam gehalten und
hochgezogen sondern einzeln separiert, so dass sie sich wirklich nur auf den Menschen einlassen. Dieses hat unendlich viele
schwerwiegende Folgen, über die man sich im Klaren sein muss. Zum einen lernen die Tiere nicht das natürliche Verhalten, welches
sie von den Eltern lernen würden. Sie haben keine Angst mehr vor dem Menschen und spätestens in der Pubertät auch keinen
Respekt mehr. Diese Tiere der kommerziellen Handaufzucht neigen zu massiven Fehlverhalten. Sie mutieren häufig zu Rupfern,
Schreiern oder Beißern. In den ersten Monaten bzw. Jahren geht es häufig noch recht gut. Aber sobald die Geschlechtsreife
ansteht beginnt der Schrecken. Die Tiere werden aggressiv und greifen ihre Halter an. Weiterhin sind sie nur selten zu
vergesellschaften. Selbst wenn man ihnen ein Tier der gleichen Art dazusetzt, wird dieses nur selten akzeptiert, da es dank
der *Ironie an*  ach so tollen Handaufzucht *Ironie aus* niemals einen Artgenossen kennen gelernt hat und mit dessen Verhalten
überhaupt nichts anfangen kann. Die Angriffe auf den Menschen gehen oft übel aus. Sie können den Menschen schlimmste Biss-
verletzungen zufügen (insbesondere Großpapageien wie Graupapageien, Amazonen oder Kakadus). Hier sind Bisswunden in
Hände oder auch Gesicht an der Tagesordnung. Meist reagiert der Mensch hierauf mit einer Art Bestrafung für das Tier,
welches das Verhalten des Tieres in keinster Weise in die positive Richtung ändert, sondern es nur noch verschlimmert.
Irgendwann gerät das Verhalten des Tieres so aus der Bahn, dass man nicht mehr
in der Lage ist, mit dem Tier zurecht zu kommen. Dies sind dann meist die armen Geschöpfe, die in irgendwelchen Tierheimen
oder Auffangstationen landen. Hier wird dann versucht, mit viel Geduld, die Tiere in die richtige Bahn zu lenken, was häufig
leider vergebens ist. Aber egal, das Tier ist aus dem Haus und gerät schnell in Vergessenheit. Aber was passiert mit diesem
armen Tier, welches doch zur Zahmheit erzogen worden ist? Die meisten Tiere vegetieren in irgendwelchen Stellen vor sich
hin und werden aufgrund ihres Fehlverhaltens nicht mehr gewollt. Tja, eine Amazone erreicht aber mal eben locker das Alter
von ca. 60 Jahren, eine lange lange Zeit zum Dahinvegetieren mit einem schlimmen psychischen Schaden.


Viele Menschen meinen, dass es doch toll ist, wenn man ein Tier bekommt, welches vom ersten Tag an handzahm ist.
Ich kann dazu nur eines sagen: Das ist es nicht!
Tausend mal schöner ist es, ein scheues Tier zu bekommen, welches aus einer Naturbrut stammt und sich das Vertrauen
zum Tier zu erarbeiten. Dies bedarf natürlich viel Zeit und Geduld, aber man erfreut sich von Tag zu Tag mehr, wenn man
sieht, dass die ganze Arbeit und Geduld sich auszahlt. Denn man merkt wirklich fast nahezu täglich Fortschritte. Zum einen
lernt man so das Tier viel besser kennen, man baut dementsprechend auch selbst Vertrauen zum Tier auf und genauso eben
anders herum.

Ein kleines Beispiel:
Unsere Glucke kam im Dezember 2005 zu uns. Sie war extrem scheu. Auch als die anderen Tiere immer mehr Vertrauen fassten
und bereits auf uns landeten, konnte man sich nicht bis auf 1 m an Glucke ranwagen, da sie sofort das Weite suchte. Aber ich
habe ihr die Zeit gegeben, die sie brauchte. Ich habe mir gesagt: Wenn sie irgendwann den Mut hat, wird sie von alleine kommen.
Seit Ende Mai 2007 hat die Kleine mittlerweile soviel Vertrauen gefasst, dass sie sich traut mir Sonnenblumenkerne aus den
Fingern zu nehmen. Ich habe mich soooo doll darüber gefreut, dass mein kleines Mädchen nun merkt, dass sie keine Angst
vor uns zu haben braucht. Wie man sieht hat es 1 1/2 Jahre gedauert, bis sie anfing Zutrauen zu fassen, aber gerade das macht
meine unendliche Geduld, die ich investiert habe, unbezahlbar. Glucke ist noch lange nicht so weit, dass sie auf uns landet,
aber für die Maus ist es ein riesen großer Schritt und es war für sie eine mutige Überwindung. Aber somit beweist sie auch mir,
dass ich bisher alles richtig gemacht habe.
Diesen gemeinsamen, gegenseitigen Vertrauensaufbau kann man nicht in Worte fassen und jeder der sich dieses anschließende
innige Verhältnis zum Tier entgehen lässt, ist selbst schuld. Daher kann ich immer wieder nur sagen, lasst bitte den Elterntieren
ihre Kinder und nehmt sie ihnen nicht weg, nur um ein zahmes Tier zu bekommen. Denn wie oben bereits geschildert, hat dieses
nur Nachteile. Kauft euch lieber Naturbruten. Somit dürfen die Elterntiere ihre eigenen Kinder großziehen und die Kinder dürfen
so das natürliche Verhalten der Eltern erlernen.

Daher kauft bitte keine: Handaufzuchten für den kommerziellen Zweck!!!
Entscheidet euch für Naturbruten!!!

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